Vom Wärmeplan zum Wärmenetz – Pilotprojekt der Stadt Radeberg

Ein geeignetes Wärmenetzgebiet ist identifiziert, aber wie wird daraus ein finanzierbares, sozial tragfähiges und umsetzbares Infrastrukturprojekt?

Im Pilotprojekt der Stadt Radeberg wurde untersucht, wie aus der Wärmeplanung ein technisch tragfähiges, wirtschaftlich darstellbares und umsetzbares Wärmenetz entstehen kann. Im Mittelpunkt stand das Innenstadtquartier mit hohen Wärmebedarfen, teils denkmalgeschützter Bebauung, anspruchsvollen Bedingungen im Straßenraum und lokalen Wärmepotenzialen.

Projektgebiet der Radeberger Innenstadt mit Wärmeliniendichten und Ankerkunden.
Darstellung: mellon, auf Basis der Wärmeplanung der Stadt Radeberg.
© 2026 mellon Gesellschaft für nachhaltige Infrastruktur mbH

Die Untersuchung zeigt: Für das Projektgebiet kann ein zentrales Wärmenetz auf Basis lokaler Abwärme eine wirtschaftlich konkurrenzfähige Versorgungsoption sein. Power-to-Heat, Photovoltaik, Biomasse und Wärmespeicher können das System ergänzen und absichern. Dezentrale Lösungen wurden in der dicht bebauten Innenstadt als weniger gut umsetzbar und wirtschaftlich ungünstiger eingeordnet.

Doch Technik allein macht noch kein Wärmenetz. Betreiberstruktur, Finanzierung und Anschlussquote bestimmen, ob es langfristig wirtschaftlich betrieben und Wärme zu einem konkurrenzfähigen Preis angeboten werden kann. Deshalb wurden auch Betreiber- und Finanzierungsmodelle untersucht.

Soziale Verträglichkeit beginnt nicht erst beim Wärmepreis. Sie erfordert transparente Bedingungen, nachvollziehbare Anschlussentscheidungen und eine ausgewogene Risikoverteilung. Gleichzeitig kann eine hohe Anschlussquote die Kosten für alle Beteiligten senken.

„Das Pilotprojekt hilft uns, die Ergebnisse der Wärmeplanung in konkrete nächste Schritte zu übersetzen. Entscheidend ist, dass Technik, Finanzierung, Trägerschaft und die Interessen der künftigen Anschlussnehmenden gemeinsam betrachtet werden.“ – Matthias Herfter, Projektverantwortlicher kWP Große Kreisstadt Radeberg

Für Radeberg liegt damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage vor. Darauf aufbauend soll das Vorhaben in einer BEW-Machbarkeitsstudie vertieft werden. Voraussetzung dafür sind geklärte Betreiberstrukturen und ein realistischer Finanzierungskorridor.

Am 7. Oktober 2026 haben Matthias Herfter und Simon Teichtmann das Pilotprojekt auf der Fachtagung zur kommunalen Wärmeplanung der SAENA in Dresden als Praxiseinblick vorgestellt. Ein Fokus der Veranstaltung war die praktische Umsetzung, Finanzierung und Trägerschaft von Wärmenetzen auf dem Weg vom Wärmeplan zur Investitionsentscheidung. Besonders wertvoll war der Austausch über Finanzierungsfragen und wirtschaftliche Risiken, die gerade finanzschwache Kommunen meist nicht allein tragen können. Solche Fragen gemeinsam zu diskutieren, Erfahrungen zusammenzuführen und tragfähige Betreiber-, Finanzierungs- und Kooperationsmodelle zu entwickeln, ist entscheidend für die Umsetzung.

Vielen Dank an die Große Kreisstadt Radeberg für die tolle Zusammenarbeit. Ebenso danken wir der Sächsischen Energieagentur – SAENA GmbH für die gelungene Fachtagung und den Raum, gemeinsam Lösungswege zu identifizieren.