


In der Weidenhofsiedlung in Leipzig werden die Trink- und Abwasserleitungen erneuert. Was bedeutet das für die Hauseigentümer*innen? mellon berät direkt vor Ort.
Viele Siedlungen aus den 1920er Jahren stehen heute vor einer großen Aufgabe. Ihre Wasser- und Abwasserleitungen sind in die Jahre gekommen. Sie führen teils überbaut und schwer zugänglich auf Privatgrundstücken. Erneuert ein Versorger die Kanäle und verlegt sie in den Straßenraum, betrifft das auch jedes einzelne Grundstück, denn die privaten Hausanschlüsse müssen dann für die Umbindung neu eingeordnet werden. Für Eigentümer*innen wirft das viele Fragen auf: Wo verlaufen meine Leitungen? Wen muss ich beauftragen? Was kostet das? Genau hier setzen wir an. Wasser und Infrastruktur gehören zu unseren Kernthemen. In der Weidenhofsiedlung erarbeiten wir neben der Beratung der Eigentümer*innen das integrierte energetische Quartierskonzept (EQK) im Förderprogramm 432 der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). So denken wir Infrastruktur, Denkmal und Nachbarschaft zusammen.
Ein denkmalgeschütztes Quartier vor der Umstellung
Die Weidenhofsiedlung im Leipziger Stadtteil Mockau steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Die Leipziger Wasserwerke (LWW) verlegen hier die Trink- und Abwasserleitungen neu in die Straße. Die Bestandskanäle auf der Rückseite der Häuser bleiben noch bis 2028 in Betrieb. Bis dahin müssen die Eigentümer*innen ihre Grundstücksentwässerung umbinden. Das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung (AWS) der Stadt Leipzig hat uns mit der Beratung beauftragt. Wir begleiten rund 70 Haushalte im Gontardweg und seit Sommer auch in der Straße Zu den Wiesen.
Die Herausforderung steckt im Detail. Die Reihenhäuser sind nur etwa 4,40 Meter breit. Manche Keller wurden tiefer gelegt, andere aufgeschüttet. Oft weiß niemand genau, wo alte Leitungen verlaufen. Dazu kommen Vorgaben der Denkmalpflege, zum Beispiel für Fallrohre an der Fassade und die Oberflächengestaltung. Bei Ortsbegehungen haben wir konkrete Ausgangslagen erfasst. Daraus haben wir Typenlösungen entwickelt, also Musterlösungen für häufige Haus- und Entwässerungssituationen. Eine Broschüre hilft den Eigentümer*innen, sich selbst einzuordnen. In Vor-Ort- und Telefon-Sprechstunden sowie bei individuellen Terminen klären wir dann die konkreten Fragen.
Beratung als Schnittstelle zwischen Eigentümer*innen und Behörden
Uns ist dabei eine neutrale Rolle wichtig. Wir vertreten keine einzelnen Interessen, sondern arbeiten im Sinne des Quartiers und seiner Bewohner*innen. Für die Menschen sind wir eine feste Anlaufstelle. Wir übersetzen zwischen Verwaltung, LWW, Denkmalpflege und Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA). Zusätzlich bringen wir Nachbar*innen zusammen, etwa für gemeinsame Leitungen oder eine gemeinsame Ausschreibung. Besonders beeindruckt hat uns, mit wie viel Herzblut die Menschen ihre Häuser pflegen.
Jetzt geht es an die Umsetzung. Wir erstellen eine Schritt-für-Schritt-Liste von der Planung bis zum Bau der erforderlichen Maßnahmen. Dazu kommen eine Checkliste für den Antrag beim MTA und ein Muster-Leistungsverzeichnis (LV). Mit diesem LV können Eigentümer*innen Planungs- und Bauleistungen gezielt anfragen. Eine Vorlage erleichtert die Meldung an die Denkmalpflege. Außerdem stellen wir eine Liste möglicher Baufirmen zusammen.
Was wir aus dem Projekt mitnehmen
Was haben wir gelernt? Große Infoabende sind gut, das persönliche Gespräch am Gartenzaun wirkt aber stärker. Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Gute Beratung hört deshalb zuerst zu. Anschließend passen wir unsere Unterstützung an die Bedürfnisse der Menschen vor Ort an.
Die Wasserwerke bauen in den nächsten Jahren weitere Abschnitte der Siedlung um. Wir möchten unsere Erfahrungen gern weitergeben.
👉 Steht Ihre Kommune vor ähnlichen Herausforderungen bei der Erneuerung von Leitungsinfrastrukturen? Sprechen Sie uns an – gemeinsam machen wir Bestandsquartiere fit für die Zukunft!

